Architekturfotografie – aber bitte unverzerrt!
Architekturfotografie umfasst im engeren Sinne nicht nur das Abbilden fertiger Gebäude, Brücken oder Plätze sondern schließt die fotografische Dokumentation der Entstehung mit ein und hält ebenso die Entwurfsphase mit fest. Denn gerade der Entwurfsprozess und die Arbeit mit Architekturmodellen, die der Architekturfotograf festhält, geben Planern, Investoren und anderen Entscheidern eine brauchbare Auskunft darüber, wie die zukünftigen Bauten aussehen werden.
Anforderungen an den Architekturfotograf
Über den reinen ausbildungstechnischen Teil des Architekturfotografen hinaus, ist Architekturfotografie eine von sehr vielen technischen und organisatorischen Details abhängige angewandte Kunst. Insbesondere bei der Fotografie von bereits erstellten Gebäuden, hat der Architekturfotograf eine Unzahl nicht immer zu kalkulierender Faktoren bei seiner Arbeit einzuplanen. So ist insbesondere die Wetterlage eine nicht zu beeinflussende Größe, die zusammen mit dem organisatorischen Teil der Arbeit die größte Herausforderung darstellt. Wie die Farben einer Fassade oder eines Gebäudes später wirken können, ist nicht zuletzt von den am Aufnahmetag herrschenden Sonnen- oder Wetterbedingungen abhängig und besonders regennasse Tage können für die Erstellung brauchbarer Ergebnisse gänzlich ungeeignet sein. Im Rahmen der organisatorischen Arbeit ist beispielsweise die Sperrung bestimmter Gebäudeteile zu veranlassen oder dafür sorge zu tragen, dass keine Fahrzeuge oder Menschen das Bild im entscheidenden Moment durchkreuzen.
Die Ausstattung des Architekturfotografen
Eine besondere Herausforderung bei Architekturfotografien sind die durch die Bauart entstehenden Flucht- und Winkelpunkte, die der Architekturfotograf insbesondere im Hinblick auf gestalterische Anforderungen des Bildes zu berücksichtigen hat. So neigen beispielsweise sehr hohe Gebäude – je nach Standpunkt und Entfernung des Fotografen zum Bildsujet – so genannte stürzende Linien aufzuweisen, die dem Gebäude auf der späteren Fotografie einen nach hinten fallende Eindruck haben lassen. Diesem Effekt muss der Architekturfotograf mit besonderen Kameras und/oder Objektiven entgegenwirken. Fachkameras beispielsweise wirken durch ihre verstellbaren und sehr langem Objektivkörper gegen diesen Effekt an. Eine weitere Möglichkeit besteht in neueren digitalen Zeiten darin, Bildmotive digital zu entzerren.

